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III

 

THEMA

Abschlussbericht (Zusammenfassung) zum Projekt B 1 des
Grenzüberschreitenden Instituts zur rentablen umweltgerechten Landbewirtschaftung (ITADA)

Erhebung der Grundlagen für die bessere Vermarktung von nach
besonderen Richtlinien erzeugten landwirtschaftlichen Produkten
aus dem Oberrheingebiet

Projektleiter: K. Rennenkampff (FiBL) -CH-

Projektbearbeitung: T. Richter (IfUL) -D- O. , Schmid (FiBL) -CH-

Weitere Beteiligte: Prof. Dr. A. Henze (Universität Hohenheim) -D-

Laufzeit: 1996-1999

Inhaltsübersicht

1 EINLEITUNG
1.1. PROBLEMSTELLUNG
1.1 ZIELSETZUNG
1.2 VORGEHENSWEISE
2 METHODEN
2.1 AUFBAU EINER REGIONALEN MARKTANALYSE
2.2 METHODEN DER MARKTFORSCHUNG
3 DIE LANDWIRTSCHAFT UND IHR UMFELD IN DER REGIO SÜDLICHER OBERRHEIN
3.1 RÄUMLICHE ABGRENZUNG UND KURZBESCHREIBUNG DER REGIO
3.2 UMFELDANALYSE DER LANDWIRTSCHAFT IN DER REGIO
3.3 ENTWICKLUNG DER AGRARSTRUKTUR IN DER REGIO
4 DIE VERBRAUCHER IN DER REGIO
4.1 ENDVERBRAUCHERANALYSE
4.2 GROSSVERBRAUCHERANALYSE
5 AGRARMÄRKTE DER REGIO
5.1 GEMÜSE- UND OBSTMARKT IN DER REGIO
5.2 GETREIDEMARKT IN DER REGIO
5.3 MILCHMARKT IN DER REGIO
5.4 FLEISCHMARKT IN DER REGIO
5.5 MARKT FÜR PRODUKTE AUS DEM BIOLOGISCHEN/ÖKOLOGISCHEN LANDBAU
5.6 MARKT FÜR PRODUKTE AUS DER INTEGRIERTEN PRODUKTION
5.7 ZUSAMMENFASSUNG DER MARKTANALYSE
6 MASSNAHMENEMPFEHLUNGEN FÜR DIE ENTWICKLUNG DES REGIO-MARKTES
6.1 MARKTÜBERGREIFENDE MASSNAHMEN
6.2 GEMÜSE UND OBST
6.3 GETREIDEMARKT
6.4 MILCHMARKT
6.5 FLEISCHMARKT
6.6 BIOMARKT
6.7 IP-MARKT
7 ZUSAMMENFASSUNG
7.1 EINLEITUNG
7.2 ZIELE
7.3 METHODIK
7.4 ERGEBNISSE
7.5 SCHLUSSFOLGERUNG
8 LITERATURVERZEICHNIS
9 VERZEICHNIS DER VERWENDETEN ABKÜRZUNGEN
10 VERZEICHNIS DER DATENQUELLEN
11 ANLAGEN


(Umfang des Gesamtberichts = 339 Seiten)  download PDF-File


1 Zusammenfassung

1.1 Einleitung
Die Landwirtschaft in den Regionen Elsass, Südbaden und Nordwestschweiz steht vor der Anpassung ihrer agrarpolitischen Systeme an eine zunehmende Angleichung an Weltmarktbedingungen. Aufgrund der agrarstrukturellen Voraussetzungen der landwirtschaftlichen Betriebe in den Regionen wird ein Anpassungsprozess an die Produktionsbedingungen des Weltmarktes nur langfristig und auch nur bedingt möglich sein. Eine Besinnung auf die Verbraucher vor der Haustür unter Berücksichtung der Produktion auf die Verbraucherbedürfnisse nach umweltorientierten Produktionsweisen und überschaubaren Vermarktungswegen scheint eine erfolgreiche Strategie, um eine stärkere Unabhängigkeit von den Kräften des Weltmarktes zu erreichen.
Das grenzübergreifende Untersuchungsgebiet am südlichen Oberrhein wird durch die nordwestschweizerischen Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft sowie Teile der Kantone Aargau und Solothurn (REGIO Nordwestschweiz), das Elsass (REGIO Elsass) sowie die südbadischen Landkreise Lörrach, Waldshut, Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und Ortenau (REGIO Südbaden) abgegrenzt. Das Untersuchungsgebiet besitzt mit den Städten Basel, Mulhouse, Colmar, Freiburg, Lörrach bedeutende urbane Zentren, die gleichzeitig wichtige heimische Absatzmärkte für die regionale Landwirtschaft darstellen. Eine stärkere Erschliessung und Verteidigung der heimischen Märkte kann langfristig nur durch die enge Verzahnung zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Verbrauch in einer Region erreicht werden. Dies erfordert vom landwirtschaftlichen Unternehmen, von Erzeugerorganisationen und von Verbänden besondere Fähigkeiten, langfristige Entwicklungen der Marktumwelt rechtzeitig zu erkennen, richtig zu interpretieren und durch Marketingmassnahmen in individuelle Wettbewerbsvorteile umzusetzen.

1.2 Ziele
Ziel der Untersuchung ist die Erhebung der Grundlagen für die bessere Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten, die ökologisch oder integriert und somit nach besonderen umweltorientierten Produktionsrichtlinien erzeugt werden. Dazu wird der Ist-Zustandes der bisherigen Entwicklung der Produktions- und Vermarktungsstruktur sowie des Umfeldes von Produktion und Vermarktung in den drei Teilregionen des Untersuchungsgebietes erfasst und gegenüberstellend bewertet. Daraus werden unter Berücksichtigung der künftig zu erwartenden Einflüsse von Politik und Nachfrage, Perspektiven für eine Verbesserung der regionalen sowie der grenzüberschreitenden Vermarktung umweltgerecht und regional erzeugter Nahrungsmittel abgeleitet.

1.3 Methodik
Folgende Methoden wurden in der Projektarbeit eingesetzt:
· Internationale Literaturrecherchen
· Mündliche und schriftliche Erhebung von Primärdaten anhand standardisierter Fragebögen   (Konsumentenbefragung, Grossküchenbefragung)
· Deskriptive und multivariate Analysen der Primärdaten wie Korrelations-, Faktoren- und Clusteranalyse
· Deskriptive Auswertung von Sekundärdaten (Struktur-, Angebots- und Nachfrageanalyse)
· Einzelexpertenbefragungen auf den Ebenen Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und -gewerbe sowie Lebensmitteleinzelhandel.

1.4 Ergebnisse

1.4.1 Künftige Entwicklungsszenarien im Umfeld der Landwirtschaft
Das physische Umfeld der Landwirtschaft im Oberrheingebiet bietet insbesondere in der Rheinebene den landwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit, ihr Produktsortiment auf die Bedürfnisse der KonsumentInnen auszurichten. Durch die gute infrastrukturelle Erschliessung des Gebietes, die regelmässige Verteilung der urbanen Zentren und die noch weitgehend vorhandenen regionalen Verarbeitungskapazitäten im Raum bestehen gute Möglichkeiten für die Versorgung mit regional erzeugten Nahrungsmitteln. Die ökonomischen und naturräumlichen Rahmendaten sind im Oberrheingebiet insgesamt positiv, wenn auch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in den Mittelgebirgslagen Nachteile gegenüber intensiv genutzten und stark arrondierten Standorten aufweist.
Die Bevölkerung im Oberrheingebiet wird nach Prognosen der Statistischen Landesämter weiter zunehmen, was zu einer Steigerung des Nahrungsmittelbedarfs führt. Da der Anteil von älteren, vermögenden und vorrangig qualitätsorientierten Käufern in diesem Prozess ebenfalls zunehmen wird, gibt es Grund zur Annahme, dass das Potential für ökologisch und für integriert erzeugte Nahrungsmitteln in allen drei Teilgebieten zunehmen wird.
Die europäische Agrarpolitik wird unter den zukünftig noch engeren Budgets weiter vom bisherigen Niveau der Erzeugerpreisstützungen abweichen und diese verstärkt an zu erbringende Zusatzleistungen knüpfen. In der Schweiz ist dies durch die "Agrarpolitik 2002" bereits erfolgt, bei der für die Gewährung von Direktzahlungen ein ökologischer Leistungsnachweis verlangt wird und damit die Integrierte Produktion bereits zum Mindeststandard der Produktion wurde.
Im weltweiten Massstab sind immer engere Verflechtungen zwischen internationalen Unternehmen zu beobachten, begleitet durch eine schrittweise Liberalisierung des Handels und einer Standardisierung der Produktionsauflagen. Dieser Prozess steht erst am Anfang. Er wird noch deutlich an Intensität gewinnen und Druck auf die Produktionskosten und Marketingleistungen der Unternehmen ausüben. Die Landwirtschaft am Südlichen Oberrhein wird in diesem globalen Prozess lernen, immer flexibler und rationaler auf die sich verändernden Rahmendaten einzustellen und das Erkennen und Entwickeln von Nischenmärkten noch stärker als Chance zu begreifen.

1.4.2 Marktübergreifende Massnahmeempfehlungen

1.4.2.1 Massnahmen im Bereich der öffentlichen Hand
Mit der Einrichtung dezentraler Koordinierungs- und Beratungsstellen und der Vernetzung von Kommunen, Verwaltungseinrichtungen, Kirchen, Fremdenverkehr, Verbänden und Akteuren zu regionalen Arbeitskreisen mit der Zielsetzung, regionale Produktions- und Vermarktungsstrukturen in einem breiten gesellschaftlichem Umfeld zu initiieren und zu verankern, werden Grundlagen für einen regionalen Markt geschaffen.
Mit einer gezielten Förderung von Vermarktungsinitiativen, insbesondere in der Startphase, kann die öffentliche Hand zusätzlich die Etablierung von regionalen Märkten stimulieren.
Die Erhöhung der Effizienz staatlicher Kontrollmassnahmen, z.B. bei der Kennzeichnung der Lebensmittel und deren Kommunikation, führt zu einem wachsenden KonsumentInnenvertrauen gegenüber der heimischen Landwirtschaft.
Für verstärkte grenzüberschreitende Aktivitäten gilt es, einen weiteren Abbau der tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse zumindest im grenznahen Raum zu unterstützen. Im weiteren wären auch Bestrebungen wünschenswert, die externen Kosten von langen Transportwegen zu internalisieren, wie dies in der Schweiz z.B. über die Schwerverkehrsabgabe bei Speditionen erfolgt. Dies könnte regionale Kreisläufe neu beleben.

1.4.2.2 Massnahmen im Bereich der Marktakteure
Kommunikationspolitik
In der Kommunikationspolitik gilt es, die individuelle Betroffenheit durch permanentes und zielgruppenorientiertes Kommunizieren des Zusatznutzens umweltgerecht und regional erzeugter Nahrungsmittel zu erreichen. Dies kann durch die Durchführung grenzüberschreitender REGIO-Events (Erlebnistage), der Suche nach trinationalen Identifikationsfiguren und die persönliche Kommunikation der Landwirte für ihre Produkte in den Verkaufsstellen erreicht werden. Dabei ist der grenzüberschreitende REGIO-Gedanke in den Mittelpunkt der Kommunikation zu stellen, um eine stärkere Identifikation mit der Region zu erreichen. Weiterhin sollte die Verkaufsförderung von Landwirten und Landfrauen in Super- und Verbrauchermärkten zu einer festen Institution ausgebaut werden, da diese Form der Kommunikation wie kein anderes Instrument, eine Authentizität von Produkt und regionaler Landwirtschaft beim Verbraucher erreicht.
Preis- und Sortimentspolitik
In der Preis- und Sortimentspolitik gilt es insbesondere eine quantitative Straffung von Warenzeichenprogrammen zu Herkunft und Produktionsweise zu erreichen. Dazu gehört auch die Harmonisierung von Produktions- und Vermarktungsrichtlinien zwischen den drei Teilregionen (insbesondere für die Integrierte Produktion). Durch die internationalen Handelsliberalisierungen werden sich die Preise zwischen den Teilregionen zukünftig stärker angleichen und das grenzüberschreitende Einkaufen ausschliesslich aufgrund von Preisvorteilen der anderen Region reduzieren. Eine Profilierung über Qualität, Service und Angebotsvielfalt wird für ein grenzüberschreitendes Marketing daher entscheidend für seinen Erfolg.
Distributionspolitik
Um die Etablierung von REGIO-Märkten zu stützen, sind sektorübergreifend und grenzüberschreitend informelle Kontakte zwischen den Marktpartnern nötig. Diese Kontakte führen mittelfristig zu einem besseren Verständnis der Partner, dem Entdecken gemeinsamer Interessen und Ziele, dem Abbau von Vorurteilen und dem Erkennen von Synergien.
Grundlegende Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit den immer grösseren Betriebseinheiten der Verarbeiter und des Einzelhandels ist eine Angebotsbündelung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Je attraktiver das landwirtschaftliche Angebot der Region ist, z.B. durch die Übernahme von logistischen Aufgaben oder freiwillige Rückverfolgbarkeitssysteme der Waren durch die Erzeugerseite, um so wettbewerbsfähiger ist die regionale Landwirtschaft gegenüber ausländischen Mitbewerbern.

1.4.3 Perspektiven für eine regionalen Gemüse- und Obstmarkt
Die Anbauregion REGIO Südlicher Oberrhein bietet gerade bei Obst- und Gemüse interessante Möglichkeiten zur grenzübergreifenden Sortimentsergänzung. Interessanterweise sind die Preisunterschiede zwischen der EU und der Schweiz nicht allzu gross.
Vor allem im Zusammenhang mit einem Tagestourismus dürfte das Absatzpotential für Obst ausbaufähig sein. Auch Spezialitäten, z.B. Basler Kirsch und andere spezielle Schnäpse, könnten sicher gut abgesetzt werden.
Bis es zu einer liberaleren Einfuhrpolitik aus dem EU-Raum in die Schweiz kommt, müsste die Initiative vor allem von den direktvermarktenden Betrieben in der REGIO ausgehen. Durch eine Sortimentserweiterung mit Produkten aus den anderen Teilregionen liesse sich das Angebot an regionalen Produkten attraktiver gestalten.

1.4.4 Perspektiven für einen regionalen Brotgetreidemarkt
Beim gegenwärtig geringen Selbstversorgungsgrad mit Getreide in der Region liegen die Erfolgsaussichten, mit einer regional ausgerichteten Marketingstrategie und intensiver Kommunikation REGIO-Brot erfolgreich zu verkaufen, relativ hoch. Vor allem die noch vergleichsweise kleinräumig regionalen Produkt-, Verarbeitungs-, und Vermarktungsketten vom Landwirt bis zum Verbraucher bieten hier günstige Voraussetzungen für einen regionalen Produktions- und Verbrauchskreislauf. Nach Angaben des Verkaufspersonals vieler Bäckerfilialen besitzt regional erzeugtes Brot ein gutes Image bei den Verbrauchern. Wichtig ist die Suche nach Möglichkeiten einer direkten Zusammenarbeit zwischen Erzeugergruppen und interessierten Bäckern und Müllereibetrieben.

1.4.5 Perspektiven für einen regionalen Milchmarkt
Aufgrund des Interesses an regionalen Milchprodukten von Handel und Konsumenten ergeben sich durchaus Chancen für die regionale Landwirtschaft mit einer geeigneten Strategie Märkte für lokale Produkte zu erschliessen. Das angebotene Produkt muss neben der Regionalität aber auch noch einen weiteren Zusatznutzen, wie besondere Umweltverträglichkeit und besondere Geschmacksqualität, aufweisen. Bei einer Kooperation mit den Supermärkten ist auf eine ausreichende Angebotsmenge des Produktes zu achten. Kleinräumig zeigen sich auch gute Chance für einzelne direktvermarktende Landwirte mit unmittelbarer Marktnähe oder die Zusammenarbeit mit kleineren Verarbeitungsbetrieben.

1.4.6 Perspektiven für einen regionalen Fleischmarkt
Der regionalen Fleischerzeugung und -vermarktung im Untersuchungsgebiet werden gute Perspektiven für die Zukunft eingeräumt, wenn sie dem Anspruch an extensive und qualitativ hohe Produktionsstandards entspricht. Durch die starke Präferenz der abnehmenden Hand nach regionaler Ware können Erzeugerpreise deutlich über Interventionspreisniveau erzielt werden. Vor allem im Bereich der extensiven Schweinehaltung werden von den meisten Marktakteuren mit Endverbraucherkontakt bei der derzeit minimalen regionalen Selbstversorgung Marktentwicklungschancen gesehen. Eine intensivere Zusammenarbeit zwischen LandwirtInnen und dem Metzgereigewerbe ist ebenso möglich wie eine direkte Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel.

1.4.7 Perspektiven für einen regionalen Biomarkt
Bedingt durch die Umstellungsförderung haben in der Vergangenheit v.a. viele Futterbau- und Ackerbaubetriebe eine ökologische Bewirtschaftung gewählt. Im Bereich Obst und Gemüse, wo der ökologische Landbau produktionstechnisch anspruchsvoller und das finanzielle Risiko einer Umstellung höher ist, gab es hingegen nur wenige Betriebsumstellungen. So kann gegenwärtig das Angebot an regional erzeugtem Obst und Gemüse in Sübaden und im Elsass der wachsenden Nachfrage kaum noch Schritt halten. Eine stärkere produktionstechnische und sozioökonomische Umstellungsberatung und -information konventioneller Betriebe würde eine Angebotserweiterung eventuell stimulieren.
Bedingt durch die Tatsache, dass sowohl auf staatlicher Ebene als auch auf Labelstufe die Anforderungen für den biologischen/ökologischen Landbau in den drei Regionen vergleichbar sind, bestehen gute Voraussetzungen zu einem Ausbau der regionalen und auch grenzüberschreitenden Vermarktung. Bioprodukte, die bereits in grösseren Mengen in der Region angeboten werden, wie Milch, Obst und Gemüse, würden sich am besten eignen. In einem ersten Schritt könnten v.a. im Frischebereich die regionalen Überangebote (Frischgemüse in Südbaden, Kirschen in der Nordwestschweiz) und die regionale Unterversorgung (Milch und Spargel in der Nordwestschweiz) grenzübergreifend ausgeglichen werden. Daneben könnten mit vermehrter Kommunikation auch regionale Spezialitäten in Bioqualität in der REGIO vermarktet werden (Biozwetschgen aus Südbaden, Biospargeln aus dem Elsass, etc.) Mit einer längerfristigen Angleichung des Preisniveaus dürften auch vermehrt Biomilchspezialitäten (z.B. Ziegenkäse oder Quark) in der REGIO z.B. über die Gastronomie abgesetzt werden können. Wichtig für die Abnehmer ist allerdings eine stärkere Zusammenarbeit unter den Bauern selber, um eine Angebotsbündelung zu erlauben.

1.4.8 Perspektiven für einen regionalen IP-Markt
Die Möglichkeiten, IP-Produkte speziell zu vermarkten, wenn IP zum allgemeinen Standard wird, dürfte schwierig sein. Für einzelne Produktgruppen wie für Brot, Obst und Gemüse könnte sich bis dahin ein kleiner Markt auftun. Die bereits erfolgte Angebotsbündelung durch Erzeugergemeinschaften könnte dies erleichtern. International ist eine Angleichung der Richtlinien zur gegenseitigen Anerkennung anzustreben, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

1.5 Schlussfolgerung
Die elsässischen, nordwestschweizerischen und südbadischen Teilregionen der REGIO Südlicher Oberrhein besitzen nicht nur ähnliche naturräumliche Voraussetzungen, sondern in Zukunft auch immer mehr angleichende Rahmenbedingungen im Mikro- und Makroumfeld der landwirtschaftlichen Erzeugung und Vermarktung. Alle drei Regionen stehen vor grossen Herausforderungen bezüglich der weltweiten Angleichung der Rahmenbedingungen für die Vermarktung und der agrarpolitischen Systeme. Im Prozess weltweiter Strukturvergrösserungen und Konkurrenzsituationen zwischen Regionen, bietet sich für alle drei Regionen aufgrund begrenzter Wachstums- und Strukturanpassungsmöglichkeiten einen alternativen Weg der regionalen Markterschliessung und -verteidigung an.
Aufgrund der landschaftlichen Attraktivität des Untersuchungsgebiets sowie dem Vorhandensein von vergleichsweise ökologisch sensiblen Verbrauchern mit regionaler Verwurzelung scheinen günstige Voraussetzungen für ein Marketing regionaler und umweltgerecht erzeugter Produkte gegeben zu sein (ÖKO-REGIO).
Die Marktanalyse zeigt zwar, dass die Bedingungen für eine regionale Marktausrichtung durch die weniger werdenden regionalen Verarbeitungs- und Handelsstrukturen auf allen Produktmärkten immer schwieriger werden, doch mit zunehmenden Konzentrationserscheinungen der abnehemenden Hand auch neue Nischen für kleinere Verarbeiter und Vermarkter entstehen. Trends aus den untersuchten Regionen, die dies belegen sind z.B. die:

  • Tendenz der Globalisierung und Zentralisierung der Einzelhandelsunternehmen versus der Tendenz der erfolgreichen Profilierung selbständiger Einzelhändler
  • Tendenz der zunehmend zentralen ausserregionalen Milch- und Fleischverarbeitung versus der Tendenz der Bildung kleiner Milchverarbeitungs-, Schlachtungs- und Vermarktungskooperativen
  • Tendenz der Übernahme der Kantinenbewirtschaftung durch zentral gesteuerte Cateringunternehmen versus der Tendenz der Profilierung kleiner Kantinen durch eine regional und/oder ökologisch ausgerichtete Küche
  • Tendenz der Zentralisierung und Filialisierung von Backwaren- und Fleischverarbeitern versus der Tendenz einer kundenorientierte Ausrichtung kleiner Bäckereien und Metzgereien mit einem regionalen und/oder ökologischen Angebot
  • Tendenz der zunehmenden Bedeutung der Lebensmitteleinkaufs der VerbraucherInnen in grossen Verkaufsflächen des Lebensmitteleinzelhandels versus der Tendenz der zunehmenden Bedeutung der Wochenmärkte und Hofläden für den Einkauf regionaler Frischeprodukte.

Die Vergangenheit zeigt, dass gerade kleinere Betriebsgrössen in Verarbeitung und Handel häufig in der Lage sind, die fehlenden Kostendegressionseffekte durch eine grössere Flexibilität und Kundennähe zu kompensieren und Knappheitssituationen des regionalen Angebots als Stärke im Marketing umzusetzen.
Der erfolgreichste Pfad der regionalen Markterschliessung scheint die Suche nach Kooperationen mit gleichgerichtet motivierten Marktpartnern im horizontalen wie auch im vertikalen Bereich zu sein. So können Stoffströme möglichst geschlossen gehalten und die Erzeugung von Nahrungsmitteln für VerbraucherInnen nachvollziehbarer und besser rückverfolgbar gemacht werden. Durch die so entstehende Transparenz gewinnt der Verbraucher Vertrauen gegenüber dem Produkt und seinem Anbieter. Es darf nicht unterschätzt werden, dass der Faktor Vertrauen und Zufriedenheit mit der zunehmenden Unübersichtlichkeit des Marktes immer stärker über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens entscheiden wird. Dementsprechend wichtig ist letzendlich besonders die Kommunikation über Inhalte, Abgrenzungen und Zusatznutzen spezieller Marktaktivitäten umweltgerecht erzeugter Produkte aus der Region.
Die grenzübergreifende REGIO Südlicher Oberrhein wird künftig noch mehr Absatzmöglichkeiten für besonders unternehmerisch ausgerichtete und mutige Landwirte bieten. So zeigen die Autoren Ansätze dafür, dass bei einem entsprechenden Willen von Politik und Verbänden, aufgrund der Gemeinsamkeiten und den bereits bestehenden intensiven grenzüberschreitenden Kontakten einzelner Marktakteure, künftig die REGIO Südlicher Oberrhein als Handelsraum für regional erzeugte Nahrungsmittel aus ökologischer und integrierter Erzeugung noch stärker zusammenwachsen kann.

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