Suche
   
  Startseite
   
 
 
 
 
 
   
  Arbeits-
programm
III

 

THEMA

ITADA-Projekt A 1.2:
Optimierung des Zwischenfrucht-Managements in Bezug auf Qualität und Menge der Grundwasserneubildung

PROJEKTLEITUNG: Rémi Koller (ARAA) Schiltigheim F
Ausführung: M.-L. Burtin (ARAA) Schiltigheim F
F. Juncker-Schwing (AGPM) Colmar F

PARTNER: H. Nussbaumer (IfuL) Müllheim D

MITBETEILIGTE: ITCF, SUAD67, Lycée Agricole Rouffach F ALLB D

PROJEKTLAUFZEIT: 1996 - 1998


Problemstellung

Um die Nitratverluste in der Landwirtschaft zu vermeiden genügt es nicht, die Düngung der Kulturen exakt zu bemessen. Man muß sich auch mit der Zeitspanne zwischen zwei Hauptfrüchten befassen. In der Rheinebene gibt es zwei Arten von Zwischen-Kultur-Perioden die wegen der Gefahr größerer Nitratverluste problematisch sind:

- die langen Zeiträume zwischen der Ernte von Winterfrüchten bzw. frühen Sommerfrüchten und der Aussaat von Sommerfrüchten. Auch nach korrekt gedüngten Kulturen steigt infolge von Mineralsisierungsprozessen im Spätsommer und Herbst bei Abwesenheit von Verbrauchern der Nmin-Gehalt im Boden, so daß es zu größeren Nitratverlusten durch Auswaschung kommen kann. Hierzu zählt die Fruchtfolge Weizen - Mais, deren Fläche auf 40.000 ha im Elsaß und auf 115.000 ha in Baden-Württemberg geschätzt wird.

- der Zeitraum zwischen zwei Sommerkulturen mit später Ernte. Wenn der im Herbst mineralisierte Stickstoff von der Kultur nicht mehr aufgenommen wird, kann das nach Wiederauffüllung der Wasservorräte des Bodens auftretende Sickerwasser dieses Nitrat aus dem Wurzelraum austragen. Bedeutendster Vertreter für diese Situation ist die Mais-Monokultur. Von den 150.000 ha Mais im Elsaß und 126.000 ha in Baden-Württemberg steht ein nicht unbedeutender Teil nach Mais.

Für die Zwischenkulturzeiträume vom Typ Weizen-Mais (Teilthema 1) sind die verschiedenen Bewirtschaftungsmaßnahmen (Stoppelbearbeitung, Stroheinarbeitung, Zwischenfruchtaussaat, ...) und deren Auswirkungen auf die Nitratbindung bzw. Freisetzung sowohl in Frankreich (insbes. Arbeiten des ITCF) als auch in Baden-Württemberg (insbes. Aktion 001 zu Umbruchterminen) wohl bekannt. Die Wirksamkeit von Zwischenfrüchten nach Wirtschaftsdüngerausbringung auf die Getreidestoppel sowie die Festlegung von optischen Merkmalen zur Erkennung des richtigen Umbruchzeitpunkts sind jedoch noch abzuklären.

Was den Anbau von Zwischenfrüchten zwischen zwei Maiskulturen (Teilthema 2) angeht sind die Verfahren noch nicht so weit, daß sie allgemein empfohlen werden könnten. Es bestehen noch ungeklärte Fragen hinsichtlich deren Fähigkeit, nennenswerte Stickstoffmengen zu binden.

Die im Rahmen dieses Projekts angelegten Versuche sollen Antworten auf diese Fragen liefern. Ihre Ergebnisse werden in Form von zwei Kapiteln (Teilthemen) dargestellt.

TEILTHEMA 1: ZWISCHENFRUCHTANBAU NACH WEIZEN VOR MAIS


Einführung

Der Zeitraum zwischen der Getreideernte und der Aussaat von Sommerkulturen wie Mais ist lang und birgt die Gefahr der Nitratauswaschung. Im Elsaß wie in Baden-Württemberg wird empfohlen, Zwischenfrüchte zur Nitratbindung auszusäen, um diese Gefahr zu vermindern. In bestimmten Situationen wird aus dieser Empfehlung eine Verpflichtung:
- Im Elsaß nach der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf die Getreidestoppel in den Monaten Juli und August im sensiblen Gebiet (Nitratrichtlinie);
- in Baden-Württemberg in Wasserschutzgebieten.
Nähere Ausführungen hierzu finden sich im Bericht über das ITADA-Projekt B4.

Auf agronomischer Ebene sind die in Frage kommenden Zwischenfrüchte nach Weizen, deren Anbauverfahren sowie ihre Fähigkeit zur Nitratbindung wohl bekannt.
Abzuklären bleiben:
- die Fähigkeit zur Bindung des mit Wirtschaftsdüngern auf die Stoppel ausgebrachten Stickstoffs,
- die verschiedenen Möglichkeiten der Bestandesführung (Umbruchtermine);
- für den Landwirt leicht erfassbare Erkennungsmerkmale für den optimalen Umbruchzeitpunkt der Zwischenfrucht zu finden.


I. Die verfügbaren Daten

Im Elsaß wurden Versuche durchgeführt mit Senf im Vergleich zu unbedecktem Boden und Ausbringung von Mist in verschiedenen Aufwandmengen zu zwei Terminen. Verfügbar sind folgende Ergebnisse:
- Versuch F-67 Elsenheim (westlich von Marckolsheim) im Jahr 1996/97
- Versuch F-67 Mussig (östlich von Sélestat) im Jahr 1997/98
- Netz von Beobachtungsparzellen im Zorntal sowie im südlichen Unterelsaß 1998/99.

In Baden-Württemberg liegen Ergebnisse von zwei Versuchen aus dem Jahr 1997/98 vor: Der eine aus Efringen-Kirchen (am Rhein, nördl. v. Basel) und der andere aus Steinenstadt (südwestl. v. Müllheim). Dabei wurden Ansaaten von Senf bzw. Ölrettich mit Ausfallgetreide, mit und ohne Bodenbearbeitung verglichen. Der Umbruch erfolgte zu zwei Terminen.


II. Kann eine Zwischenfrucht zwischen Getreide und Mais den von der Vorfrucht hinterlassenen bzw. den mit dem Wirtschaftsdünger nach der Getreideernte im Spätsommer zugeführten Stickstoff verwerten?

Eine Antwort auf diese Frage läßt sich durch die Beobachtung des Wachstums der Zwischenfrucht (Biomasseproduktion) und der im Sproß aufgenommenen Stickstoffmenge geben: Festgestellt wurden Biomasseerträge von 1 bis 6 t/ha Trockenmasse und Stickstoffaufnahmen von 20 bis 180 kg N/ha (Mediane zwischen 60 und 100 kg N/ha).
Die Ergebnisse bestätigen, daß Zwischenfrüchte in der Lage sind, im Spätsommer und Frühherbst Stickstoff aufzunehmen, speziell auch den mittels Wirtschaftsdünger im Spätsommer auf die Getreidestoppel ausgebrachten. Am Beispiel Steinenstadt konnte gezeigt werden, daß es auch Situationen mit zu wenig Stickstoff für eine gute Entwicklung der Zwischenfrucht gibt. Solche Schläge sollte man vorher identifizieren können.

III. Vermindert der Anbau von Zwischenfrüchten die Gefahr der Nitratauswaschung über Winter?

Zur Beantwortung dieser Frage haben wir die Entwicklung der Nitratgehalte im Boden von der Aussaat der Zwischenfrucht bis zum Frühjahrsbeginn untersucht.
Zu Winterbeginn (Ende November) sind die Nitratwerte unter Zwischenfrüchten mit 10 bis 30 kg N/ha sehr niedrig und liegen unter denen von unbewachsenem Boden. Somit werden die Nitratverluste vermindert.


IV. Sind die untersuchten Zwischenfrüchte gleichwertig?

Auf diese Frage können nur die baden-württembergischen Versuche eine Antwort geben.
Der Ölrettich entwickelt sich im Herbst langsamer als der Senf. Da er aber nicht abfriert, nimmt er über Winter weiter Stickstoff auf.
Für Schläge, die im Spätherbst oder zu Winterbeginn gepflügt werden müssen, wird man deshalb den Senf bevorzugen. Soll ein Schlag erst im Frühjahr gepflügt werden, wird man eher den Ölrettich bevorzugen.


V. Schafft dieses Verfahren nicht neue Gefahren (Mineralisation der Zwischenfrucht)?

Die Kurven der Bodennitratgehalte weisen ab Anfang Februar einen signifikanten Anstieg auf. Dieser Anstieg läßt sich nur mit einer Mineralisierung der organischen Substanz infolge ansteigender Temperaturen (milder Februar 1997) erklären. Der von den Zwischenfrüchten aufgenommene Stickstoff kann also ziemlich schnell freigesetzt werden.


VI. Gibt es ein Mittel zur Eindämmung dieser neuen Risiken (Frühjahrsfurche)?

Auf diese Frage können dank der Variante ´Frühjahrspflugfurche´ nur die baden-württembergischen Versuche eine Antwort geben. Hierbei stellt man einen verzögerten Anstieg der Bodennitratgehalte fest. Eine späte Pflugfurche scheint die Gefahr der Nitratauswaschung zu reduzieren.


VII. Welche Auswirkungen hat die Zwischenfrucht auf die Folgefrucht?

Eine Antwort auf diese Frage können die Beobachtungen an Mais-Nullparzellen nach dem Zwischenfruchtversuch geben.
Die Ergebnisse waren sehr widersprüchlich: Es gab sowohl Situationen mit positiven Effekten (höhere Bodenlieferung nach Zwischenfrucht als nach unbedecktem Boden) als auch solche mit negativen Effekten. Dies kann von größeren Unterschieden bei den Auswaschungsverlusten herrühren. Wenn der Winter niederschlagsreich war und die Nitrate ohne Bodenbedeckung ausgewaschen wurden, kann die Zwischenfrucht diese Auswaschung verhindern und der Folgefrucht insgesamt mehr Stickstoff zur Verfügung stellen. War der Winter jedoch trocken, dann sind die von der Zwischenfrucht aufgenommenen Nitrate möglicherweise nicht gleich voll verfügbar, da sie erst noch mineralisiert werden müssen, während die vom unbedeckten Boden sofort verfügbar sind. Diese Hypothesen bedürfen noch der Bestätigung.
Alles in allem scheinen die Wirkungen von Zwischenfrüchten uneinheitlich zu sein: Zumindest hängt es von der Höhe der Nitratverluste ab, die dank einer Zwischenfrucht vermieden werden konnten, sowie von der Höhe der Stickstoffaufnahme und den Bodenbearbeitungsbedingungen (Bodenstruktur für die Zwischenfrucht). Die Unterschiede bei der Stickstofflieferung des Bodens für die Folgefrucht können schwanken von -20 bis + 20 kg N/ha.


VIII. Kann am die Stickstoffaufnahme von Senf ohne Messung abschätzen?

Ziel dieser Auswertung ist die Bestimmung des Zeitpunkts, zu dem der Senf seine Aufgabe als ´Nitratpumpe´ erfüllt hat, um zu vermeiden, daß er unnützerweise zur ´Wasserpumpe´ wird.
Eine enge Beziehung besteht zwischen der Wuchshöhe von Senf und seiner Trockenmasseproduktion. Die Beziehung zwischen Bestandeshöhe und Stickstoffaufnahme ist etwas lockerer.
Die Bestandeshöhe von Senf kann also als grober Anhaltspunkt für die Stickstoffaufnahme gelten. Das aufzunehmende Stickstoffpotential bleibt jedoch festzulegen. Dieses kann sehr hoch sein, insbesondere bei Überdüngung der Vorfrucht oder bei Ausbringung von Wirtschaftsdüngern.


IX. Schlussfolgerung

Die sich ergänzenden Versuche haben Überlegungen zur Gestaltung der verschiedenen Massnahmen im Zeitraum zwischen der Weizenernte und der Maisaussaat mit dem Ziel der Reduzierung der Nitratauswaschungsverluste im Rheingraben ermöglicht

Es konnte gezeigt werden, daß unter diesen Standortbedingungen eine im August, nach der Getreideernte ausgesäte Zwischenfrucht sich entwickeln kann und dabei Stickstoff aufnimmt, sofern dieser ausreichend verfügbar ist, unabhängig davon, ob dieser von der Vorfrucht hinterlassen wird oder im Spätsommer und Herbst aus der organischen Substanz des Bodens freigesetzt wird. Bei Senf läßt sich durch Messung der Bestandeshöhe die aufgenommene Stickstoffmenge abschätzen. Die aufzunehmende Stickstoffmenge muß in etwa eingeschätzt werden, in Abhängigkeit von der Düngung der Vorfrucht und vom Wirtschaftsdüngereinsatz.

Die Entwicklung dieser Zwischenfrüchte führt zu einer starken Abnahme der Bodennitratgehalte zu Winterbeginn, was die Nitratauswaschungsverluste während des Winters begrenzt.
Senf hat dank seiner schnellen Entwicklung den stärksten Effekt auf diese Reduzierung der Nitratgehalte. Ölrettich, der nicht abfriert und über Winter weiter Stickstoff aufnimmt hat jedoch eine länger andauernde Wirkung, sofern er nicht vor Winter untergepflügt wird. Auch Ausfallgetreide nimmt Stickstoff auf. Seine Aufnahmefähigkeit reicht jedoch für größere Stickstoffmengen nicht aus (z.B. bei Wirtschaftsdüngerausbringung).

Im Herbst eingearbeitete Zwischenfrüchte können zum Ende des Winters bereits ziemlich früh wieder Stickstoff freisetzen, sofern der Winter einigermaßen mild war. Mit einer Frühjahrspflugfurche läßt sich diese Freisetzung verzögern. Diese Möglichkeit besteht jedoch nicht bei allen Böden.

Die Wirkung von Zwischenfrüchten auf den nachfolgenden Mais wurde über die Stickstofflieferung des Bodens abgeklärt. Sie erwies sich als sehr unterschiedlich und in starkem Maße abhängig von der über Winter wirksam gewordenen Auswaschung, von der Entwicklung der Zwischenfrucht und von den Bedingungen bei der Bodenbearbeitung und zur Aussaat von Mais (Effekt der Zwischenfrucht auf die Bodenstruktur).

Den Landwirten im Rheingarebn kann eine Zwischenfrucht zwischen Getreideernte und Maisaussaat empfohlen werden. Dieses Verfahren bereichert die Vielfalt der Instrumente, die den Landwirten zur Verfügung stehen, um die Nitratverluste ihrer Äcker zu vermindern.

Teilthema 2: Optimierung des Zwischenfruchtanbaus bei Mais-Monokultur

Im Rahmen des ITADA wurden in den Jahren 1996 bis 1998 im Elsaß und in Baden-Württemberg zur Nitratproblematik im Grundwasser des Oberrheingrabens Versuche mit Zwischenfrüchten nach Mais durchgeführt.

Der Anbau von Zwischenfrüchten erfolgt mit dem Ziel, die Nitratgehalte im Boden vor Beginn der herbstlichen Dränphase zu reduzieren. Sie nehmen, zusammen mit Wasser, aus dem Wurzelraum Stickstoff auf und binden ihn somit.

Der Zwischenfruchtanbau nach Mais kann in besonders sensiblen Gebieten (nahe der Wasserfassung, bei oberflächennahem Grundwasser, durchlässigem Boden, ...) und wenn die Stickstoffdüngung höher war als der Entzug bei den tatsächlich erzielten Erträgen, Sinn machen. Dies gilt insbesondere für Tierhaltungsgebiete mit hohem Wirtschaftsdüngereinsatz.

Die Versuche auf französischer Seite betrafen Körnermais in Monokultur ohne den Einsatz von Wirtschaftsdüngern. Es gab einen Versuch pro Jahr. In Baden-Württemberg wurde der Versuch in einem Gebiet mit Rindviehhaltung am Rande des Schwarzwalds in der Nähe von Freiburg (Dreisamtal) durchgeführt. Dabei handelte es sich um Silomais mit regemäßigem Einsatz von Wirtschaftsdüngern. Der Versuch wurde in einem Beobachtungsnetz von Streifenparzellen durchgeführt.
Es handelte sich also um zwei unterschiedliche Anbausysteme in ebenfalls unterschiedlichen klimatischen Situationen.

Bei Mais gibt es zwei Anbauverfahren für Zwischenfrüchte: Entweder man sät früh (Juni) eine Untersaat zwischen die Maisreihen, die sich nach der Ernte des Mais entwickelt oder man sät spät, nach der Maisernte (Stoppelsaat).
Versuche zu diesem Thema wurden bereits im ersten Arbeitsprogramm des ITADA durchgeführt. Von daher hat sich dieses Vorhaben vorgenommen, die drei folgenden Fragen zu beantworten:

· Welche ergänzenden Informationen zur Untersaat von Gräsern in Mais gibt es?
· Was kann eine Untersaat in den beiden Anbausystemen leisten?
· Gibt es mögliche Alternativen und was ist davon zu halten?


Frage 1
Welche ergänzenden Informationen zur Untersaat von Gräsern in Mais gibt es?
- Artenwahl und Saattermin: Am besten für die Untersaat geeignet ist eine auf der Basis von Weidelgräsern (deutsches und welsches Weidelgras) oder eine Mischung von Roggen (JD - Jouffray-Drillaud) und Hybridweidelgras.
In den grenzüberschreitenden Versuchen hat sich bei der Untersaat das Stadium des kniehohen Maises als ideal für die Aussaat der Zwischenfrucht erwiesen. Dabei lassen sich sowohl Probleme der Konkurrenz zwischen Untersaat und Mais als auch Probleme bei der Unkrautbeseitigung vermeiden.
- Anpassung der Unkrautbekämpfung: Um die Unkräuter ausreichend zu kontrollieren ohne die Zwischenfrucht zu schädigen, wurde die Unkrautbekämpfung in Form einer Reihenbehandlung mit einer Ungras- und Unkrautmittelmischung im Nachauflauf, gefolgt von einer Hacke zwischen den Reihen durchgeführt. Die damit verbundene flache Lockerung des Bodens zwischen den Maisreihen erleichtert das Auflaufen der Zwischenfrucht.
- Licht und Niederschläge: Das Gelingen der Untersaat und deren Überleben unter dem Mais bis zu dessen Ernte hat sich als unsicher herausgestellt, vor allem bei starker vegetativer Entwicklung mit entsprechender Beschattung. Die Weiterentwicklung der Zwischenfrucht nach der erneuten Belichtung infolge der Aberntung des Maises hängt wesentlich von den Niederschlagsverhältnissen im Herbst ab.
Letztendlich bleibt der Erfolg der Untersaat, egal ob bei Körner- oder Silomais, unsicher, da er von vielen Faktoren, sowohl landbaulicher als auch meteorologischer Art abhängt.


Frage 2:
Was kann eine Untersaat in den beiden Anbausystemen leisten?
Die Leistung einer Untersaat wird an ihrem Aufnahmevermögen für den nach der Ernte im Boden vorhandenen Stickstoff gemessen. Die Ergebnisse dies- und jenseits des Rheins sind wechselhaft: Die Stickstoffaufnahme einer Zwischenfrucht hängt von deren Entwicklung und Biomasseproduktion ab, welche wiederum eine gute Wasser- und Stickstoffversorgung voraussetzt. Hinzu kommt, daß die Untersaat umso mehr Zeit zum Wachsen hat, je früher sie wieder Licht bekommt. Das bedeutet eine frühe Maisernte im September. Normalerweise ist dies bei Silomais kein so großes Problem, bei Körnermais bedeutet es jedoch die Auswahl einer früheren Sorte. Allein mit dem Witterungsverlauf lassen sich die unterschiedlichen Ergebnisse nicht erklären.

- Auf französischer Seite ist die Biomasseproduktion sehr gering: 2 -3 dt/ha TM mit einer Aufnahme von 6 - 7 kg N/ha. Diese schwache Entwicklung läßt sich erklären mit den geringen Stickstoffmengen, die nach der Ernte im Boden gemessen wurden. Das bedeutet, daß Stickstoff der limitierende Faktor ist. Trotzdem hat die Zwischenfrucht im Vergleich zu unbedeckten Flächen der herbstlichen Auswaschung zwischen 10 und 20 kg N/ha entzogen (s. Abb. 2).



- Im Dreisamtal schwankt die mittlere Biomasseproduktion zwischen 7 und 10 dt/ha TS und die Stickstoffaufnahme der Zwischenfrucht liegt zwischen 10 und 20 kg N/ha (s. Abb. 3).
Diese Werte liegen höher als die in den elsässischen Versuchen, sind aber immer noch bescheiden und schwankend. Eine Beziehung zwischen Biomasseproduktion und Stickstoffaufnahme besteht nicht.


Abb. 3: Oberiridische Biomasse (dt TM/ha) und Stickstoffaufnahme (kg N/ha) von Weidelgras im Dezember; Versuche Dreisamtal (D) 1996-1998.


Bei diesen Versuchen blieb die Zwischenfrucht über Winter stehen und sowohl Biomasse als auch Stickstoffaufnahme wurden im April nochmals gemessen. Dabei zeigte sich, daß der Nutzen der Zwischenfrucht über Winter sehr gering ist.


Frage 3:
Gibt es mögliche Alternativen und was ist davon zu halten?
Bei den im Elsaß durchgeführten Versuchen wurde die Möglichkeit einer Stoppelsaat nach der Maisernte geprüft. Dabei wurden zwei Arten ausgewählt: Senf und Roggen.
- Der Senf ist für seine Fähigkeit zu schneller Entwicklung und Stickstoffaufnahme bekannt. Bei Temperaturen unter -5°C friert er jedoch ab.
- Roggen gilt als robust, deckt schnell den Boden und friert nicht ab.

Wie bei den Untersaaten entscheidet auch hier der Witterungsverlauf nach der Aussaat über das Gelingen. Im übrigen erscheint eine leichte, oberflächliche Bodenbearbeitung unerläßlich für den Aufgang kleinkörniger Saaten.
Wenn die Saat gelingt und der Bestand eine gewisse Biomasse entwickelt (Senf und Roggen 1998), sind die Leistungen bezüglich Stickstoffaufnahme mit denen einer Weidelgras-Untersaat vergleichbar. Es wurden etwa 20 kg N/ha aufgenommen und der Auswaschung im November entzogen (s. Abb. 9).

Lehren der verschiedenen Alternativen:


Es sieht so aus, als ob nach einer frühen Maisernte Ende September der Boden wieder mineralisiert und Nitrat produziert, das ausgewaschen werden kann. Dieser Anstieg des Bodennitratgehalts im Oktober findet unter einer gelungenen Zwischenfrucht nicht statt. Der Nitratgehalt zu Beginn des Wachstums der Zwischenfrucht ist mit 20 - 30 kg N/ha dennoch gering, ebenso wie der Unterschied zwischen bedecktem und unbedecktem Boden in Höhe von 15 - 20 kg N/ha.
Unter kontinentalen Klimaverhältnissen mit frühem Frost ist Senf oder eine andere abfrierende Art nicht so interessant. Der frühe Pflügetermin Ende November - Anfang Dezember stellt eine weitere Grenze der Entwicklung auch für nicht abfrierende Zwischenfrüchte dar.

Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet darf man nicht vergessen, daß die Ansaat einer Zwischenfrucht Kosten verursacht: Saatgut, flache Bodenbearbeitung, Anpassung der Unkrautbekämpfung, frühere Ernte, ...
Außerdem kann es durch die nicht gehäckselten Maisstrünke und die Einarbeitung als Gründüngung zu derzeit noch unbekannten und nicht meßbaren landbaulichen Konsequenzen kommen.


Schlußfolgerung


Unser Versuch des Anbaus einer Zwischenfrucht zwischen 2 Körnermaiskulturen nach zweierlei Verfahren (Untersaat und Stoppelsaat) hat sich in mehrfacher Hinsicht als wenig fruchtbar erwiesen.
Beide Verfahren weisen unter den untersuchten Rahmenbedingungen Risiken und zahlreiche Begrenzungen auf:
- bei Körnermais in Monokultur ohne Einsatz von Wirtschaftsdüngern, mit Pflug im Herbst und semi-kontinentalem Klima einerseits
- bei Silomais in Monokultur mit Einsatz von Wirtschaftsdüngern, verschiedenen Bodenbearbeitungsverfahren in semi-kontinentalem Klima mit Höheneinfluß andererseits.
Mehrere Faktoren haben Einfluß auf den Erfolg: Eine angepaßte Unkrautbekämpfung (bei Untersaat), eine frühe Maisernte und vor allem günstige Witterungsbedingungen. Die Wahl der Pflanzenart beschränkt sich auf Arten mit unproblematischem Aufgang und schnellem Wachstum wie Gräser (Weidelgras, Roggen) oder Kreuzblütler (Senf), da die verfügbare Vegetationszeit sehr kurz ist (Ende September bis Anfang Dezember). Aus wirtschaftlichen Gründen darf das Saatgut außerdem nicht zu teuer sein.
Wenn die Erstellung eines Zwischenfruchtbestandes gelingt, lassen die Ergebnisse des Jahres 1998 für eine Situation mit einigermaßen korrekter Maisdüngung folgendes erkennen:
- Das Niveau der Nitratgehalte im Boden liegt nach der Maisernte bei 20-40 kg N/ha relativ niedrig.
- Zwischen der Maisernte und dem Umbruchzeitpunkt der Zwischenfrucht liegt der Nitratgehalt des Bodens mit Zwischenfrucht um etwa 20 kg N/ha unter demjenigen ohne Zwischenfrucht. Untersaat und Stoppelsaat sind dabei gleichwertig.
- Die Trockenmasseproduktion der Zwischenfrucht (3 - 10 dt/ha) sowie die Stickstoffaufnahme in deren oberirdischen Teilen (6 - 20 kg/ha) sind gering.

Sofern die Stickstoffdüngung des Mais richtig bemessen ist, macht der Anbau einer Zwischenfrucht nicht sehr viel Sinn. Die Situation des Versuchsstandortes (Agrargymnasium Rouffach) entspricht jedoch nicht unbedingt der allgemeinen Lage im Elsaß. Außerdem ist die Gefahr der Auswaschung über Winter nicht auf jedem Boden gleich.
Diese Verfahren können jedenfalls dazu beitragen, die Gefahren in gewissen Situationen zu vermindern. Sie stellen jedoch keine 'Vollkaskoversicherung' dar und sind auf keinen Fall verallgemeinerbar.
Für den Hauptteil der elsässischen Körnermaisfläche mit Ernte im Oktober sind sie als problematisch zu betrachten. Die Gefahr des Mißerfolges von Untersaaten ist erhöht und der Effekt als Nitratsammler im Herbst ist im Allgemeinen gering.
In Anbetracht der ökonomischen und landbaulichen Erfordernisse erscheint es als wenig wahrscheinlich, daß die französischen Landwirte dieses Verfahren spontan aufgreifen, zumal die Leistungen bescheiden sind.
Unter bestimmten Umständen, besipielsweise in Trinkwassereinzugsgebieten, kann der Anbau von Zwischenfrüchten dennoch angezeigt sein.

Was den Problemkreis Tierhaltung und Silomais im Dreisamtal angeht, sieht es ebenfalls so aus, daß wenn die Düngung mit Wirtschafts- und Mineraldüngern richtig bemessen ist, der Effekt einer Untersaat mäßig ist. Dort gilt aber ebenfalls, daß die Versuche auf Flächen von Betrieben lagen, die nicht unbedingt repräsentativ für alle Tierhaltungsgebiete in Baden-Württemberg sind.
Im Gegensatz zu Frankreich gibt es in Baden-Württemberg (außerhalb von Wasserschutzgebieten) jedoch Anreize durch Ausgleichszahlungen für den herbstlichen Zwischenfruchtanbau im Rahmen des MEKA (Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich).

Wie die Versuche belegen, ist der Erfolg dieser Verfahren auch bei den Landwirten, die sie anwenden unsicher. Es gibt jedoch auch keinen wirklichen Erfolgszwang für gute Ergebnisse der Zwischenfrucht. Das Hauptziel ist, im November nicht mehr als 45 kg/ha Nitratstickstoff im Boden zu haben. Für den Landwirt bleibt der Erfolg im Maisanbau wichtiger als der Erfolg der Weidelgrasuntersaat.


[» zurück]

 
download PDF-File
Langfassung
(593 kB)
« zurück